Unser Wald steckt voller Möglichkeiten!

Bäumchen, Bäumchen wechsle dich…

Genau wie in diesem Kinderspiel die Mitspieler ihre jeweiligen Standorte wechseln und sich einen neuen Baum als Standort suchen müssen, so werden die Waldbesitzer/innen der Forstbetriebsgemeinschaft durch verschiedene Umstände (negative Auswirkungen von Monokulturen, Klimaänderungen und damit Veränderung der Lebensbedingungen, Änderungen im Wasserhaushalt und Niederschlagsgeschehen, extremere Wettereinflüsse, Erosion und Verschlechterung der Bodenqualitäten) gezwungen, sich neue Baumarten zu suchen und diese an die Stelle der liebgewordenen Kiefer zu setzen. 

 

Gleichwohl will bedacht sein, dass die manchmal so verpöhnten Nadelhölzer die Brotbäume der deutschen Forstwirtschaft schlechthin darstellen: Fichte und Kiefer sind nicht nur die häufigsten Baumarten Deutschlands, sondern auch diejenigen, deren Verarbeitungsmenge am größten ist. Es ist nicht so leicht, einen Ersatz dafür zu finden, der auch noch die Veränderungen in Klima und Umwelt aushält und sogar Gefallen an diesen Veränderungen finden soll.

 

„Dann nehme ich eben stattdessen …“ – so leicht ist es nicht getan. Laubbäume statt der Kiefer oder Fichte zu verarbeiten ist kein Ersatz – obwohl die Pflanzung und das Einbringen von Laubbäumen in die hiesigen Kiefernplantagen ökologisch sehr sinnvoll ist. Doch neben anderen Standortansprüchen, die beachtet sein wollen, sind Laubbäume selber vom Klimawandel betroffen, d.h. auch unter den Laubbäumen gibt es typische Verlierer des Klimawandels (z.B. die heimische Buche). Diese Verliererarten jetzt zu fördern, würde bedeuten, nicht nur buchstäblich Geld in den Sand zu setzen, sondern auch große Mengen unreifes Brennholz zu produzieren bzw. den Nachfolgern zu hinterlassen. Jedoch steht die stoffliche Verwendung des Rohstoffs Holz in der nachhaltigen Forstwirtschaft an erster Stelle, nicht die energetische Nutzung, die besser aus Restholz und Abfällen gedeckt werden sollte und auch könnte.

 

Wir wollen in jeder Hinsicht Qualitätsholz produzieren: ökologisch, ökonomisch und sozial.  Dazu brauchen unsere Waldbesitzer/innen Vergleichsmöglichkeiten: Bäume aus vergleichbaren Klimazonen, die auch bei uns in den zu erwartenden Lebensraumänderungen gut gedeihen, forstliche Spitzenprodukte hervorbringen und trotzdem ihren ökologischen Platz so ausfüllen, dass sie eine Bereicherung unserer Lebensumwelt sind und keine invasive Gefahr für einheimische Tier- und Pflanzenarten darstellen. Gleichwohl ist uns bewußt, dass es immer Unvorhersehbarkeiten geben wird, die dann von unseren Kindern, Enkeln und Nachfahren korrigiert werden müssen. Unter anderem ist deshalb die Überlieferung unseres waldbaulichen Denkens und Handelns an unsere Nachfolger so immens wichtig. 

 

Doch eine Priorität ist uns vollkommen klar: Der beste Schutz gegen böse Überraschungen ist eine verstärkte Nutzung unserer Holzvorräte und unser Bemühen für Nachwuchs im Wald.  Es ist das Schlimmste, was wir unseren heutigen Wäldern und ihren gedanklichen Müttern und Vätern antun können, nichts zu tun und das Holz verfaulen zu lassen. Solch eine Mißachtung der Arbeit und Mühen unserer Vorfahren wollen wir uns nicht leisten. Wir brauchen Vergleichsmöglichkeiten und den Mut, uns mit Arten anzufreunden, die in letzter Zeit nicht von hier sind: Hier werden Baumarten erörtert, über die man als Waldbesitzer nachdenken kann und sollte; es ist keine Anbauempfehlung, denn der Anbau von Forstkulturen liegt allein in der Entscheidung des einzelnen Waldbesitzers / der Waldbesitzerin. Nur ihre Entscheidungen können das zukünftige Bild und die Funktion unserer Wälder bestimmen.

Betrachten wir zuerst unsere Laubhölzer: 

 

Vor der letzten Eiszeit waren in Europa viel mehr Laub- und Nadelbaumarten verbreitet. Mit jeder der in den letzten 2 Mio. Jahren auftretenden Eiszeiten verringerte sich die Anzahl der Baumarten in Mitteleuropa. Drastisch ist die Verarmung der Baumarten nach der letzten Eiszeit zu nennen: Nur zwei Eichenarten haben nach 70.000 Jahren Dauerfrost die Rückkehr nach Mitteleuropa aus eigener Kraft geschafft (Stiel- und Traubeneiche/ qercus robur und q. petraea); Akazien und Robinien sind in den langen Kälteperioden auf der Strecke geblieben und ausgestorben.

 

Ebenso wie die Eichenarten sind auch Ahorn, Ulmen und Linden nur noch in wenigen Arten nach der Eiszeit in die Gebiete Mitteleuropas zurückgekehrt, von denen die beiden Ulmenarten auch noch durch das Ulmensterben bedroht sind (ein durch den Ulmensplintkäfer übertragener holzzerstörender Pilz). Die Ahornarten Berg- und Spitzahorn scheinen sehr gut mit den Übergängen zum wärmeren Klima zurechtzukommen: die verstärkte Ausbreitung ihrer Naturverjüngung wird seit einiger Zeit in der Nordostdeutschen Tiefebene beobachtet. Was gut wächst, scheint die derzeitigen Bedingungen zu lieben. 

 

Viele unserer Laubbaumarten sind erst von den Römern wieder in Mitteleuropa angesiedelt worden, z.B. die Kastanien und Nussbäume, wohingegen Haselnuss schon sehr lange in lichten Laubwäldern zusammen mit Eichen und anderen Laubbäumen vergesellschaftet ist und ebenfalls ein wärmeres Klima liebt. Weitere Details dazu finden Sie in den weiter unten folgenden Tabellen "Laubbäume heimisch" und "Laubbäume Ergänzung". 

 

Noch drastischer ist der durch glaziale Perioden verursachte Artenrückgang unter den Nadelbäumen Mitteleuropas. Nur ganze acht (!) Arten sind heute in Mitteleuropa verbreitet, wovon noch zwei an extrem montane Klimazonen angepasst sind. Alle Sequoia-Arten, Zypressen, Lebensbäume, die meisten Tannen-, Fichten- und Kiefernarten haben es nach der neuerlichen Erwärmung nicht mehr über die Kaparten und Alpen nach Mitteleuropa zurück geschafft.

 

Eine spannende Frage für entsprechende Wissenschaftszweige wäre, ob es nach der nächsten Eiszeit in Mitteleuropa überhaupt noch Bäume geben würde? Nun jedoch geht das Klima ersteinmal den umgekehrten, wärmeren Weg. Eine jahrtausendelange Anpassung an die postglazialen klimatischen  Bedingungen Mitteleuropas geht für unsere derzeit gebietsheimischen Arten zu Ende. Damit entstehen für unsere liebgewordenen Arten Fichte, Kiefer, Tanne etc. eine Vielzahl von Problemen, verursacht durch Überforderung der Anpassungsfähigkeit, Krankheiten und Anfälligkeiten, extreme Insektenvermehrungen…

 

Der Verlust altbekannter Waldbilder und Forstkulturen wird uns in mehrfacher Hinsicht belasten: Er wird uns sowohl ökonomisch zusetzen, aber auch ökologisch wird er unser Empfinden schmerzhaft treffen und die sozialen Aspekte des Waldes werden allgemein-gesellschaflich leidvollen Wandlungen unterliegen müssen.  

 

Als Waldbesitzer sollten wir über Ergänzungen für unsere bedrohten Nadelbaumarten nachdenken und diese Ergänzungen in unsere zukünftigen Anbaukonzepte mit einbeziehen. Mehr Nadelbaum-Informationen finden Sie in den nachfolgenden Tabellen "Nadelbäume heimisch" und "Nadelbäume Ergänzung". 



Download
Laubbäume heimisch
Laubbäume heimisch.pdf
Adobe Acrobat Dokument 35.8 KB
Download
Laubbäume Ergänzung
Laubbäume Ergänzung.pdf
Adobe Acrobat Dokument 42.7 KB
Download
Nadelbäume heimisch
Nadelbäume heimisch.pdf
Adobe Acrobat Dokument 38.3 KB
Download
Nadelbäume Ergänzung
Nadelbäume Ergänzung.pdf
Adobe Acrobat Dokument 43.9 KB


Unser Wald erfüllt viele wichtige Funktionen für Mensch und Umwelt

Unser Wald ist Vielfalt

Hunderte verschiedener Pflanzenarten sind in unseren Wäldern heimisch. Unser Wald im Seenland leistet also als Bestandteil des landesweiten Netzwerkes aus Biotopen und Ökosystemen   einen großen Beitrag für die biologische Vielfalt in unserem Land. 

 

Über den Wechsel von Licht und Schatten, durch die unterschiedlichen Schichtungen im Kronen-, Stamm- und Wurzelbereich der Bäume, durch Baumartenmischungen, durch Trocken- und Feuchtbereiche ist Wald von unschätzbarem Wert für die Artenvielfalt in Brandenburg. 

Unser Wald schafft Lebensraum

Wald ist die Heimat von verschiedensten Pflanzen-, Tier- und Pilzarten. Darunter können auch seltene Tiere wie das Große Mausohr (Fledermaus), der Mittelspecht, der Wolf, die Gelbbauchunke oder der Hirschkäfer sein. Baumkronen, Stammhöhlen, Totholz, Erdbauten und viele weitere einzigartige Strukturen, die es nur im Wald gibt, bieten zahlreichen Säugetieren, Amphibien, Vögeln und Insekten ihren Lebensraum.

Unser Wald ist ein Trinkwasserspeicher

Wald ist über das Wurzelwerk aber auch über die Kronen und Stämme der Bäume ein hervorragender Wasserfilter und -speicher. Regenwasser wird im Waldboden nicht nur wie in einem Schwamm gespeichert, sondern auch gefiltert. Nicht umsonst liegen viele der Wasserschutzgebiete Brandenburgs im Wald. Der Großteil des Trinkwassers aus unseren Wäldern kann ohne weitere Aufbereitung direkt an den Verbraucher geleitet werden.

Unser Wald ist Sauerstoffproduzent

Aus dem Klimagas Kohlendioxid und Wasser produzieren Waldbäume für uns Holz und Sauerstoff. Das zunächst im Baum und später im geernteten Holz verbaute Kohlendioxid bleibt langfristig gebunden und entlastet das Klima.

Unser Wald ist Klimaschützer

Wald bietet besonders auf den kargen, nur locker aufgeschütteten sandigen Kippenflächen der Braunkohle-Tagebaue Schutz vor massivem Bodenabtrag (Erosion). Über sein Wurzelwerk hält der Wald den Boden fest und wirkt zusätzlich wie ein Schwamm. Als natürliche Hindernisse bremsen Wälder die Geschwindigkeit von Stürmen und halten als Schutzstreifen zwischen den noch aktiven Braunkohle-Gruben den beim Tagebau entstehenden Lärm und Staub von Siedlungen und Feldern zurück.

Unser Wald ist Erholungsraum und Naturgenuss

Wald ist immer ein starkes Stück Heimat! Für Erholung und Gesundheit spielt er gerade in der Nähe von Ortschaften und Städten eine wichtige Rolle. Erholungssuchende wie Spaziergänger und Radfahrer freuen sich über die Möglichkeit, in der freien Waldnatur Ruhe und Ausgleich zu finden. Hinzu kommt der unschätzbare Wert für den Tourismus, der vom Wald als Landschaftselement und Erholungsraum profitiert.

 

Übrigens: Unabhängig davon, wem der Wald gehört, jeder darf die Wälder in Deutschland zum Zwecke der Erholung auf den ausgewiesenen Fahr- und Wanderwegen betreten. 

Unser Wald ist ein Wirtschaftsfaktor

Groß ist die Bedeutung des Waldes als Arbeitsplatz, Wirtschaftsfaktor und Rohstofflieferant. Dabei sind die Verwendungsmöglichkeiten von Holz so vielfältig. Sie begegnen uns in unserem täglichen Leben in vielerlei Gestalt. Durch seine besonderen physikalischen Eigenschaften und seine natürliche und nachhaltige Verfügbarkeit gewinnt Holz als ökologischer Rohstoff stetig an Bedeutung. Die gestiegene Nachfrage nach Holz kommt auch den Waldbesitzern durch höhere Holzpreise zu Gute.

 

Auch für den Holz-Eigenbedarf hat Waldeigentum einen großen wirtschaftlichen Wert. Ob als Baustoff oder als Brennstoff für die eigene Heizung ist Holz immer eine besonders günstige und ökologische Lösung.



Download
Essay: "Holz ist mein Leben"
Holz ist mein Leben....pdf
Adobe Acrobat Dokument 332.8 KB
Download
Einladungstexte aus vergangenen Jahren
Einladungen mit Texten.pdf
Adobe Acrobat Dokument 93.7 KB
Download
Ausschreibung zur Holzernte Herbst 2017
Ausschreibung Holzernte 2017 Herbst Wint
Adobe Acrobat Dokument 1.6 MB
Download
Auswertung der Angebote für die Holzernte Herbst 2017
Auswertung Angebote 2017 Herbst.pdf
Adobe Acrobat Dokument 39.6 KB